Stichpunkte
1. Die Andacht zum 1.Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (2.Mo 20,2-3)
- Das Zentrale des Glaubens in einem Gebot -
1. Der Fakt: Es gibt einen Herrn über dein Leben
2. Der Zuspruch: Dieser Herr befreit dich aus der Knechtschaft
3. Der Anspruch: Dieser Herr verbietet dir andere Götter neben ihm zu haben
2. Die zehn Gebote
1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
2. Gebot: Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, das oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
3. Gebot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.
4. Gebot: Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht der Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.
5. Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest im Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.
6. Gebot: Du sollst nicht töten.
7. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.
8. Gebot: Du sollst nicht stehlen.
9. Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. (2.Mo 20,2-17)
2. Allgemeine Anmerkungen zu den Zehn Geboten
- Die Zehn Gebote werden auch Dekalog genannt von gr. deka = Zehn und logos = Wort.
- Die Zählung der Zehn Gebote ist in der Kirchengeschichte unterschiedlich gelesen worden. Die lutherische und katholische Zählweise liest 2.Mo 20,2-6 zusammen als erstes Gebot und unterteilt 2.Mo 20,17 in zwei Gebote (neunte und zehnte). Judentum und reformierte Kirche haben es genau umgekehrt und teilen 2. Mo 20,2-6 in das erste und zweite Gebot.
- Umstritten ist auch die Frage, welches Gebot auf welcher der beiden Tafeln steht (2.Mo 31,18-19): alte Kirche 5:5; Augustin und lutherisch 3:7; reformiert 4:6 (vgl. HK Frage 93); die reformierte scheint die wahrscheinlichste zu sein: 1-4, also die erste Tafel, reflektieren das verhalten des Menschen vor Gott und 5-10, die zweite Tafel, das Verhalten unter den Menschen.
- In der Bibel sind zwei Fassungen der Zehn Gebote überliefert: 2.Mo 20,2-17 und 5.Mo 5,6-21. Dabei gibt es einen bedeutenden Unterschied: Einmal wird das Sabbatgebot Schöpfungstheologisch (2.Mo 20,11) und zum anderen sozial (5.Mo 5,15) begründet!
- Die Zehn Gebote sind Teil eines riesigen Gesetzeswerkes von 2.Mo 20 bis 4.Mo 9, wobei man den Dekalog als eine Art Grundgesetz Gottes verstehen kann.
- Luther setzt die Zehn Gebote an die erste Stelle in seinem kleinem Katechismus. Dadurch erfuhren sie theologie wie geistesgeschichtlich eine enorme Aufwertung.
- Das erste Gebot ist das wichtigste und alle anderen Gebote gewinnen ihre Autorität aus diesem. Wer Gott nicht zum Herrn hat, der ist selber Herr und kann machen was er will.
- Gesetze u. Gebote finden sich nicht nur im AT, sondern auch im NT (Bergpredigt; Ermahnungen in den Paulusbriefen). Die hohe Kunst der Theologie und der Predigt besteht darin, das Gesetz immer wieder mit dem Evangelium in das rechte Verhältnis zu setzen.
3. Der dreifache Gebrauch des Gesetzes (Gesetz = die Gebote)
1. Das Gesetz überführt den Sünder und zeigt dem Menschen seine Fehler auf!
Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht, weil er weiß, dass dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen, den Vatermördern und Muttermördern, den Totschlägern. (1.Tim 1,8-9)
2. Das Gesetz ist damit Zuchtmeister auf Christus hin und führt den Sünder zum Evangelium und zum Glauben!
So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. (Gal 3,24-25)
3. Das Gesetzt ist für den wiedergeborenen Christen Orientierung und Hilfestellung im Leben; („tertius usus legis“)!
Vergeltet niemanden Böses mit Bösem; seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. (Röm 12,17-19)
Aber ganz ganz wichtig: Das Gesetz (Gesetz = die Gebote) kann, nach dem Kreuz und der Auferstehung Jesu und der Ausgießung des Heiligen Geistes, nicht mehr als Heilsweg zu Gott dienen. Gesetzlichkeit ist eine schlimme Sünde!
4. Exkurs: Die Unterschiede zwischen lutherisch und reformiert
Lutherisch = 1)
Reformiert = 2)
Lutherisch = Geht auf Luther (1483-1546) zurück, der in Wittenberg lebte; Urdatum hier: 31.10.1517 Thesenanschlag durch Luther
Reformiert = Geht auf Zwingli (1484-1531) und Calvin (1509-1564) zurück, die in der Schweiz lebten; Urdatum hier: 09.03.1522 Wurstessen durch Gemeinde
Lutherisch = Im Luthertum gibt es eine gewisse Unterordnung des Alten Testamentes unter das Neue Testament
Reformiert = Bei den Reformierten gelten beide Testamente gleichwertig
Lutherisch = Zählung der 10 Gebote wie Katholische Kirche
Reformiert = Zählung der 10 Gebote wie im Judentum
Lutherisch = Das Kirchgebäude hat auch Bilder und ist reicher geschmückt
Reformiert = Die Kirche ist schlicht und enthält wegen des 2. Gebotes keine Bilder
Lutherisch = Am Kreuz hängt oft ein Corpus (Körper)
Reformiert = Am Kreuz hängt nie ein Corpus
Lutherisch = In der lutherischen Kirche gibt es einen Altar
Reformiert = In der reformierten Kirche gibt es einen Abendmahlstisch
Lutherisch = Die Position des Pfarrers ist stärker als bei den Reformierten
Reformiert = Der Pfarrer wird stärker als Teil der Gemeinde gesehen und nicht als Gegenüber
Lutherisch = Der lutherische Pfarrer hat ein komplett geöffnetes Bäffchen
Reformiert = Der reformierte Pfarrer hat ein komplett geschlossenes Bäffchen
Lutherisch = Die Lutheraner haben den Kleinen Katechismus als christliches Lehrbuch zur Bibel (daneben noch weiter Bekenntnisschriften)
Reformiert = Die Reformierten haben den Heidelberger Katechismus als christliches Lehrbuch zur Bibel
Lutherisch = Wort (Bibel) und Sakrament (Taufe und Abendmahl) sind gleichwertig
Reformiert = Das Wort steht über dem Sakrament
Lutherisch = Die Predigt nicht die zentrale Bedeutung wie bei den Ref. die Liturgie ist ausgeprägter
Reformiert = Das absolut wichtigste am Gottesdienst ist die Predigt; Liturgie hat eine abgeschwächte Bedeutung
Lutherisch = Die Lutheraner halten die Taufe für heilsnotwendig
Reformiert = Die Taufe ist ein Weg der Vermittlung des Heiles
Lutherisch = Die Lutheraner glauben, dass Jesus Christus beim Abendmahl tatsächlich in Brot und Wein vorhanden ist
Reformiert = Die Reformierten sagen vom Abendmahl, das es ein Zeichenmahl ist, bei dem Jesus im Heiligen Geist anwesend ist, aber das Brot und der Wein nicht verwandelt werden
Lutherisch = Eine lutherische Kirche wird eingeweiht
Reformiert = Eine ref. Kirche wird „In den Dienst gestellt“
Lutherisch = Die Lutheraner stehen der katholischen Kirche näher als die Reformierten
Reformiert = Die Reformierten stehen den freien Gemeinden näher als die Lutheraner
Lutherisch = Die Lutheraner kennen die Zwei-Reiche- Lehre
Reformiert = Die Reformierten stehen für die Königsherrschaft Jesu Christi
Lutherisch = Das Amt des Pastores ist stärker; er steht der Gemeinde vor; die Gesamtkirche synodal episkopal
Reformiert = Das Amt des Pastores steht neben anderen; die Gesamtkirche ist presbyterial- synodal
5. Der Text zum vierten Gebot: 2.Mo 20,8-11 und 5.Mo 5,12-15
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn. (2.Mo 20,8-11)
Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Rind, dein Esel, all dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhen gleichwie du. Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort herausgeführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der Herr, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst. (5.Mo 5,12-15)
6. Drei Fragen zum 4. Gebot
1. Frage: Warum soll ich das 4. Gebot halten?
->1. Weil Gott es so festgelegt hat
->2. Weil ich Ruhe brauche
->3. Weil ich über Jesus Christus nachdenken soll
2. Frage: Wie soll ich das 4. Gebot halten?
->1. Indem ich das Verhältnis von 6:1 berücksichtige
->2. Indem ich mir kein starres Gesetzeskonstrukt auferlege
->3. Indem ich den Sonntag/Sabbat wirklich den Tag des Herrn Jesus Christus sein lasse
3. Frage: Wann soll ich das 4. Gebot halten?
->1. Am Sonntag, weil es in der Bibel so bezeugt ist
->2. Am Sonntag, weil er der Tag der Auferstehung ist
->3. Am Sonntag, weil es so eingeführt ist