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Johannesbrief: 5.Std – 1.Joh 5

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Mi 16. Sept. 2026 - 19:30
Olaf Latzel

Stichpunkte

1. Die Andacht zu 1.Joh 5,6-8

Dieser ist’s, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus; nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und im Blut; und der Geist ist’s, der das bezeugt, denn der Geist ist die Wahrheit. Denn drei sind, die das bezeugen: der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein. (1.Joh 5,6-8)

- Das dreifache Zeugnis von Jesus -
1. Das Wasser bezeugt ihn
2. Das Blut bezeugt ihn
3. Der Geist bezeugt ihn


2. Das sogenannte Comma Johaneum

Denn drei sind, die das bezeugen „im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist; und diese drei sind eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden:“ der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein. (1.Joh 5,6-8)
Das Comma Johaneum ist ein nachträglich eingefügter Textabschnitt in 1.Joh 5,7-8, der als explizite Zeugnis für die Dreieinigkeit in der Bibel gilt. Für eine bibeltreue Gemeinde ist diese Passage hochgradig umstritten, da sie in den ältesten und zuverlässigsten griechischen Handschriften fehlt und vermutlich erst Jahrhunderte später als theologische Randnotiz in den Text einfloss. Das Comma Johanneum existiert als fester Fließtext erstmals in lateinischen Texten ab dem 5. bis 9. Jahrhundert und im Griechischen erst ab dem 14. bis 16. Jahrhundert, oft als direkte Übersetzung aus dem Lateinischen. Als der Humanist Erasmus von Rotterdam 1516 das erste gedruckte griechische Neue Testament (Novum Instrumentum omne) herausgab, ließ er das Comma Johanneum schlichtweg weg. Seine Begründung war rein wissenschaftlich: Er hat te es in keinem der griechischen Manuskripte gefunden, die ihm zur Verfügung standen.Kirchenvertreter und Theologen beschuldigten Erasmus heftig, er greife die Lehre der Dreieinigkeit an und unterstütze die Irrlehre des Arianismus. Erasmus verteidigte sich damit, dass er den Text nicht gefälscht, sondern schlicht die griechische Realität abgebildet habe. Es hält sich hartnäckig die Legende, Erasmus habe versprochen, das Comma aufzunehmen, wenn man ihm auch nur ein einziges griechisches Manuskript mit dieser Passage zeige. Historiker konnten dieses Versprechen in seinen Schriften jedoch nie nachweisen. Tatsächlich präsentierten ihm seine Kritiker schließlich ein extrem spätes britisches Dokument (den Codex Montfortianus, ca. 1520), das das Comma enthielt. Erasmus durchschaute den Schwindel – er vermutete richtig, dass der Text eilig aus dem Lateinischen übersetzt worden war, um ihn bloßzustellen. Dennoch gab er dem massiven kirchlichen Druck nach: Um üble Nachrede zu vermeiden und den kommerziellen Erfolg seines Werkes nicht zu gefährden, fügte er das Comma 1522 in seine 3. Auflage ein. Über diesen korrupten Textweg gelangte die Passage schließlich in den weit verbreiteten Textus Receptus. Da Erasmus das Comma in seine dritte Auflage aufnahm, beeinflusste dies die europäische Übersetzungsgeschichte massiv. In deutschen Bibeln findet sich ein sehr unterschiedlicher Umgang mit der Passage: Luther nutzte für sein „Septembertestament“ (1522) die zweite Auflage des Erasmus – also jene ohne das Comma. Luther war von der Unechtheit der Stelle so überzeugt, dass er sie zeit seines Lebens (bis zu seinem Tod 1546) nie in seine Bibelübersetzung aufnahm und sogar ausdrücklich davor warnte. Erst 1581, Jahrzehnte nach Luthers Tod, schmuggelte ein Frankfurter Drucker die Zeilen eigenmächtig in den Text. Seitdem war sie über Jahrhunderte Standard in der Lutherbibel, bis sie bei den Revisionen im 20. Jahrhundert endgültig entfernt wurde. Die Schweizer Reformatoren um Ulrich Zwingli waren kurioserweise schneller als die Lutheraner. Sie nutzten die spätere Erasmus-Ausgabe und druckten das Comma Johanneum bereits 1525 in ihrer ersten Zürcher Ausgabe ab. In heutigen modernen Revisionen der Zürcher Bibel fehlt es vollständig. Während einige traditionsbewusste Gemeinden (oft im Bereich der „King-James-Only“- oder „Textus-Receptus“-Bewegung) strikt an der Echtheit festhalten, lehnen die meisten modernen bibeltreuen Theologen das Comma ab, da absolute Texttreue für sie bedeutet, nur die ursprünglichen Worte der Apostel als Gottes Wort anzuerkennen.


3. Kurze Übersicht über die frühsten Quellen neutestamentlicher Überlieferung

Die wichtigsten Papyri (Früheste Papyri Fragmente, meist 2.–3. Jahrhundert)

Diese auf Papyrus geschriebenen Texte sind die ältesten erhaltenen Zeugnisse des christlichen Glaubens:

- Papyrus 52 (P⁵²): Das wohl berühmteste u. älteste bekannte Fragment des Neuen Testaments (ca. 125 n. Chr.). Es enthält nur wenige Verse aus dem Johannesevangelium (Jesu Verhör vor Pilatus), beweist aber, wie früh das Evangelium bereits im Umlauf war. (Manchester)

- Papyrus 45 (P⁴⁵): Ein bedeutender Teil der Chester-Beatty-Papyri (ca. 3. Jahrhundert). Dieser Kodex enthielt ursprünglich alle vier Evangelien sowie die Apostelgeschichte in einem einzigen Band. (Dublin)

- Papyrus 46 (P⁴⁶): Stammt ebenfalls aus dem frühen 3. Jahrhundert und ist das älteste fast vollständige Zeugnis der Paulusbriefe, einschließlich des Hebräerbriefs. (Dublin)

- Papyrus 66 (P⁶⁶): Eine fast vollständig erhaltene Papyrus-Taschenbibel des Johannesevangeliums (um 200 n. Chr.). Sie bietet tiefen Einblick in frühe Abschreibprozesse. (Genf)

- Papyrus 75 (P⁷⁵): Ein außergewöhnlich gut geschriebener Papyrus aus dem frühen 3. Jahrhundert, der große Teile von Lukas und Johannes enthält. Sein Text stimmt verblüffend exakt mit dem späteren Codex Vaticanus überein, was die Zuverlässigkeit der Überlieferung untermauert. (Rom)
Die 5 großen Codices (Die monumentalen Pergamentbibeln, ab 4. Jahrhundert)
Diese in Großbuchstaben (Unzialen) auf Pergament geschriebenen Bücher lieferten die ersten vollständigen oder fast vollständigen Bibelausgaben:

- Codex Sinaiticus (א / 01): Die wohl wichtigste Bibelhandschrift der Welt (ca. 350 n. Chr.). Gefunden im Katharinenkloster am Sinai, enthält sie das einzige komplett erhaltene griechische Neue Testament aus der Antike. (London/Sinai/St.Petrsburg/Leipzig)

- Codex Vaticanus (B / 03): Entstanden im frühen 4. Jahrhundert und seit Jahrhunderten in der Vatikanischen Bibliothek verwahrt. Er gilt in der Textkritik qualitativ als einer der präzisesten und reinsten Textzeugen für die Evangelien. (Rom)

- Codex Alexandrinus (A / 02): Ein Prachtkodex aus dem 5. Jahrhundert, der fast das gesamte Neue Testament umfasst. Er zeigt einen "Mischtext" – in den Evangelien spiegelt er bereits den byzantinischen Text (die Basis des Textus Receptus) wider, in den Briefen den älteren alexandrinischen Text. (London)

- Codex Ephraemi Rescriptus (C / 04): Ein berühmtes Palimpsest (eine überschriebene Handschrift). Im 12. Jahrhundert wurden die Bibeltexte abgeschabt, um Predigten von Ephräm dem Syrer darüberzuschreiben. Durch moderne Technik konnte der darunter liegende Bibeltext (5. Jahrhundert) wieder lesbar gemacht werden. (Paris)

- Codex Bezae Cantabrigiensis (D / 05): Ein außergewöhnlicher Kodex aus dem 5. Jahrhundert, der zweisprachig (Griechisch und Latein) verfasst ist. Er enthält die Evangelien und die Apostelgeschichte und ist berühmt für seine vielen textlichen Sonderwege und einzigartigen Zusatzformulierungen, die man in keinem anderen Manuskript findet. (Cambridge)


4. Der Text: 1.Joh 5,1-21

1Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. 2Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. 3Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 4Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. 5Wer ist es aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist? 6Dieser ist’s, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus; nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und im Blut; und der Geist ist’s, der das bezeugt, denn der Geist ist die Wahrheit. 7Denn drei sind, die das bezeugen: 8der Geist und das Wasser und das Blut; und die drei stimmen überein. 9Wenn wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis doch größer; denn das ist Gottes Zeugnis, dass er Zeugnis gegeben hat von seinem Sohn. 10Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott gegeben hat von seinem Sohn. 11Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.13Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. 14Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. 15Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben. 16Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tode, so mag er bitten und Gott wird ihm das Leben geben – denen, die nicht sündigen zum Tode. Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll. 17Jede Ungerechtigkeit ist Sünde; aber es gibt Sünde nicht zum Tode. 18Wir wissen, dass, wer von Gott geboren ist, der sündigt nicht, sondern wer von Gott geboren ist, den bewahrt er und der Böse tastet ihn nicht an. 19Wir wissen, dass wir von Gott sind, und die ganze Welt in der Gewalt des Bösen befindet. 20Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 21Kinder, hütet euch vor den Götzen!


5. Acht exegetische Schlaglichter aus 1.Joh 5,1-21

1. Das Entscheidende des Glaubens: Jesus ist Gott
- Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren. (1.Joh 5,1)
- Ich und der Vater sind eins. (Joh 10,30)

2. Das Überwinden der Welt
- Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist es aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist? (1.Joh 5,4-5)

Exkurs: Das Überwinden/Siegen in den Sendschreiben der Offenbarung
- Ephesus: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist. (Offb 2,7)
- Smyrna: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode. (Offb 2,11)
- Pergamon: Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen weißen Stein; und auf dem Stein ist ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt als der, der ihn empfängt. (Offb 2,17)
- Thyatira: Und wer überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden“ (Elberfelder übersetzt hier Nationen. (Offb 2,26)
- Sardes: Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens. (Offb 3,5)
- Philadelphia: Wer überwindet, den will ich machen zu einer Säule im Tempel meines Gottes. (Offb 3,12)
- Laodizea: Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron. (Offb 3,21)

3. Das Zeugnis von Jesus
- Wenn wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis doch größer; denn das ist Gottes Zeugnis, dass er Zeugnis gegeben hat von seinem Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. (1.Joh 5,9-10)
- Ihr werdet meine Zeugen sein. (Apg 8,1)

4. Das Ewige Leben und Jesus

- Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes. (1.Joh 5,11-13)
- Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; 26und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? (Joh 11,25-26)

5. Das Beten in Jesus im Geist

- Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben. (1.Joh 5,14-15)
- Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. (Joh 16,23)

6. Die Sünde zum Tod

- Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tode, so mag er bitten und Gott wird ihm das Leben geben – denen, die nicht sündigen zum Tode. Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll. Jede Ungerechtigkeit ist Sünde; aber es gibt Sünde nicht zum Tode. (1.Joh 5,16-17)
- Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. 32Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt. (Mt 12,31-32)

7. Das Liegen der Welt in der Gewalt des Bösen (im Argen)

- Wir wissen, dass wir von Gott sind, und die ganze Welt in der Gewalt des Bösen befindet. (1.Joh 5,19)
- Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsre Sünden dahingegeben hat, dass er uns errette von dieser gegenwärtigen, bösen Welt nach dem Willen Gottes. (Gal 1,3-4)

8. Das Hüten vor den Götzen/Bildern/Abgöttern

- Kinder, hütet euch vor den Götzen! (1.Joh 5,21)
- Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (2.Mo 20,2-3)

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