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Johannesbrief: 4.Std – 1.Joh 4

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Mi 19. Aug. 2026 - 19:30
Olaf Latzel

Stichpunkte

1. Die Andacht zu 1.Joh 4,1: Geliebte (Ἀγαπητοί)


- Persönliche Assoziationen zu einer besonderen Anrede -

1. Ich bin geliebt => das macht meine Existenz aus
2. Ich bin geliebt => darin liegt meine Erlösung
3. Ich bin geliebt => das bestimmt meine Identität
4. Ich bin geliebt => das läßt mich freuen
5. Ich bin geliebt => das läßt mich andere lieben
6. Ich bin geliebt => das läßt mich sorgenfrei leben
7. Ich bin geliebt => das läßt mich getrost streben


2. Der Begriff der Liebe

- Unterteilung des Begriffes Liebe im griechischen in drei Worte; drei Bereiche, drei Ebenen: 1. Den Eros (das Ich); 2.Die Philia (das Ich und Du); 3. Die Agape (das Du)

1. Der Eros: Dieses griechische Wort kommt im Neuen Testament überhaupt nicht vor; er ist aber das, was viele Menschen heute verstehen, wenn sie Liebe hören. Die egoistische, egozentrische Liebe in der es in letzter Konsequenz immer um einen selbst geht. Von dem Eros kommt auch das Fremdwort Erotik. Beim Eros geht es nur um das „Ich“.

2. Die Philia: Sie beschreibt die Liebe als freundliches, wohlgesinntes herzlich verbundenes Verhältnis zwischen zwei Personen oder Dingen. So etwa in der Freundschaft oder in der Beziehung zu einer Sache (Philosoph => der die Weisheit liebt; Philatelist => der die Freimarke liebt; Philologe => der die Sprachen liebt). Bei der Philia geht es um das „Ich und Du“.

3. Die Agape: Dieser Begriff wird im Profangriechischen selten benutzt und beschreibt die echte Liebe, die Feindesliebe, die Liebe, die sich für den anderen hingibt. Bei der Agape geht es um das „Du“.

=> Wichtig: die Geschichte Joh 21,15-19, wo Jesus Petrus zweimal fragt “Hast du mich lieb“ (gr. agape) und Petrus antwortet ich habe dich lieb (gr. philo). Erst bei der dritten Frage fragt Jesus nach der philo und da wird Petrus traurig, weil er noch nicht wirklich den Unterschied in der Liebe zu Jesus erkennt. Aber Jesus verheißt ihm, dass er es durch seine Tod erkennt.

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber (agape), als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb (philia) habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb (agape)? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb (philia) habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb (philia)? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb(philia)?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb (philia) habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach! (Joh 21,15-19)

- In der Folge der bultmannschen Theologie der Entmytologisierung der Bibel kommt es bei seine Schülern zu der Totalentmytologisierung und Gott wird als transzendentale Existenz geleugnet und im Vollzug der Liebe hier auf Erden in der Immanenz aufgelöst. Dieses ist eine Fehldeutung der Bibel, die Gott nur noch als Gott der Liebe existieren lässt und alles andere (Gott des Zornes; Gott des Gerichtes) verneint. Diese Theologie oder besser gesagt diese die Bibel verleugnende Philosophie beherrscht die evangelische Kirche in Deutschland in weiten Teilen seit dem zweiten Weltkrieg. „Gott ist die Liebe“ ist richtig und biblisch, aber der Umkehrsatz (Dorothee Sölle) „Wo Liebe ist, da ist Gott“ das ist eine unbiblische humanistische Irrlehre, die unglaublichen Schaden anrichtet, so schön sie sich auch oberflächlich anhört.


3. Acht biblische Schlaglichter zur Liebe

1. Die Grundkonstante Gottes ist die Liebe
- Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1.Joh 4,16);

2. Die Liebe Gottes offenbart sich trinitarisch im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist

=> Gott liebt als Vater
- Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)
- Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch! (1.Joh 3,1)

=> Gott liebt als Sohn
- Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut was ich sage. (Joh 15,13-14)
- Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. (1.Joh 4,9-10)

=> Gott liebt als Heiliger Geist
- Frucht des Geistes ist die Liebe (Gal 5,22)
- Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. (Rm 5,5)

3. Die Liebe Gottes ist ewig
- Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. (1.Kor 13,8)
- Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Rm 8,38-39)

4. Die Liebe Gottes trägt durch schwere Zeiten
- Wir wissen, daß denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen die nach seinem Ratschluß berufen sind. (Rm 8,28)
- Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Rm 8,38-39)

5. Die Liebe Gottes schenkt ewiges Leben
- Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht (Eph 2,4-5)
- Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. (1.Joh 4,9)

6. Liebe ist das was der Schöpfer von seinen Geschöpfen verlangt
- Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe. (Eph 4,15-16)
- Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. (Kol 3,14)

7. Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes
- Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte: Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« . Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Mt 22,35-40)
- Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. (Joh 15,9-12)

8. Die Liebe ist Kennzeichen der Gemeinde
- Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Joh 13,34-35)
- Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. (1.Joh 4,20)


4. Der Text: 1.Joh 4,1-21

1Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. 2Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; 3und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass er kommen werde, und er ist jetzt schon in der Welt. 4Kinder, ihr seid von Gott und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist. 5Sie sind von der Welt; darum reden sie, wie die Welt redet, und die Welt hört sie. 6Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. 7Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. 8Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. 9Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 11Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. 12Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. 13Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 14Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 15Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 16Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1.Joh 4,1-21)


5. Exegetische Schlaglicher aus 1.Joh 4,1-21

1. Das Prüfen der Geister
Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. (1.Joh 4,1)

2. Das Prüfkriterium: Jesus Christus
Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. (1.Joh 4,2-3)

3. Die Liebe als Kennzeichen der Wiedergeburt
Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. (1.Joh 4,7)

4. Das Prae der Liebe Gottes zu uns
Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. (1.Joh 4,10)

5. Der Heiland der Welt
Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt (1.Joh 4,14)

6. Das Bekenntnis zu Jesus als Gott
Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. (1.Joh 4,15)

7. Die Liebe als Furchtvertreiber
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. (1.Joh 4,18)

8. Die Bruderliebe
Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1.Joh 4,21)

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