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Gottesdienst

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Mi 17. Juni 2026 - 19:30
Olaf Latzel

Stichpunkte

1. Die Andacht zu Mt 18,20

Jesus Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20)

1. Die immense Bedeutung des Namen Gottes
2. Die immense Bedeutung der christlichen Versammlung
3. Die immense Bedeutung der Gegenwart Jesu im Heilgen Geist

2. Allgemeine Einführung in das Thema Gottesdienst

- Liturgik ist die Wissenschaft, die sich mit der Liturgie beschäftigt, der Reflexion der gottesdienstlichen Feier; zur Liturgie, einer Subdisziplin der praktischen Theologie, gehören außerdem noch die Homiletik (Prediglehre), die Poimenik (Seelsorgelehre), die Katechetik (Unterrichtslehre), die Oikodomik (Gemeindeaufbaulehre) und die Diakonik. Die Liturgik besitzt wiederum verschieden Subdisziplinen wie Pastoraltheologie, Sakramentslehre, Hymnologie, Paramentik, Kirchbauwissenschaft und natürlich auch die Homiletik als alles überragendes Fach der Praktischen Theologie.

Die sechs Fächer der Theologie
1.AltesTestament 2.NeuesTestament 3.Kirchengeschichte 4.Ethik 5.Dogmatik 6.Praktische Theologie

Praktische Theologie
1.Homiletik 2.Liturgik 3.Poimenik 4.Katechetik 5.Oikodomik 6.Diakonik
(Predigt) (Gottesdienst) (Seelsorge) (Unterricht) (Gemeindeaufbau) (Diakonie)
- Liturgie (gr. leiturgia) heißt wörtlich „öffentlicher Dienst“ und bezeichnet die bestehende Ordnung des Gottesdienstes


3. Die Form des Gottesdienst

- Wollte man die Geschichte der Form des christlichen Gottesdienstes vom NT bis heute darstellen, so wäre das eine immens verzweigte und höchst knifflige Mammutarbeit. Denn der Gottesdienst hat sich in allen Denominationen, in allen Konfessionen unterschiedlich entwickelt. Zu dem erfährt er geographische und temporale Differenzierung. Das hat seine Ursache darin, daß die Bibel keine genaue Gottesdienstordnung überliefert. Wir erkennen in der Schrift zwar wesentliche Elemente (Wortverkündigung, Mahlfeier, Gesang, Gebet, Lobpreisungen (Apg 2) wie diese jedoch sich zueinander verhielten und wie sie gefüllt worden, wird je nach Konfession unterschiedlich beantwortet.

- Die klassische Form des Gottesdienstes beinhaltet vier Hauptteile:
1. Eröffnung und Anrufung; 2. Verkündigung und Bekenntnis; 3. Abendmahl; 4. Sendung

- Ein Gottesdienst beginnt mit der Anrufung des dreieinigen Gottes (Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes) und endet mit dem Segen des dreieinigen Gottes (der aaronitische Segen ist ebenfalls trinitarisch); Vor und Nachspiel der Orgel oder des Klavieres sind liturgisch gesehen nicht Teil des Gottesdienstes

- In der Liturgie wird unterschieden zwischen kerygmatischen und doxologischen Elementen:
Kerygmatische Elemente: verkündigende Elemente; Gott spricht zu der Gemeinde; Predigt, Lesung aus der Bibel, Segen; Aspekt: Gott dient uns
Doxologische Elemente: lobpreisende Elemente; Gemeinde spricht zu Gott, Gebete, Bekenntnisse, Lieder; Aspekt: wir dienen Gott

- Man kann vereinfacht folgendes sagen: stärker doxologisch geprägt sind die orthodoxen, katholischen und lutherischen Kirchen
stärker kerygmatisch geprägt sind die reformierten Kirchen, Gemeinschaften

- Jede Gemeinde hat immer wieder neu die Liturgie zu bedenken und eine lebendige Gemeinde steht in einem fortwährenden Veränderungsprozeß der Liturgie; aber ganz wichtig ist: es verändern sich nur die doxologischen Elemente (andere Lieder, andere Instrumente, andere Formulierungen der Gebete); die kerygmatischen Elemente sind unveränderlich


4. Generelles zum Predigen

- Homiletik (gr. homolia) heißt wörtlich soviel wie gegenseitige Unterhaltung. Homiletik ist die Wissenschaft von der Predigt, ihrer Form, Gestalt und Darbietung.
- Predigt (lat. Praedicatio) heißt soviel wie Verkündigung und Wechselrede.
- Jede Predigt ist grundsätzlich immer an die Heilige Schrift, Alten wie Neuen Testamentes gebunden, weil diese das allein maßgebliche Zeugnis unseres christlichen Glaubens ist. So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. (Rm 10,17) Über Liedtexte, christliche Gedichte oder sonstige Literatur kann und darf es keine Predigt geben.
- Die Predigt ist, in Analogie zur Trinität, der dritte Bereich des dreigeteilten Wortes Gottes:
1. Das geoffenbarte Wort Gottes (Joh 1,1-14)
2. Das geschriebene Wort Gottes (2.Petr 1,19-21)
3. Das gepredigte Wort Gottes (2.Tim 2,2-5)
- Wichtig: das gepredigte Wort Gottes entspringt dem geschrieben Wort Gott und das entspringt dem geoffenbarten Wort Gottes!
- Jede Predigt wird von drei Größen bestimmt: 1.Text; 2. Hörer; 3.Prediger. Zum Wort Gottes wird jede Predigt aber erst durch den Heiligen Geist.
Text

Heiliger Geist

Prediger Hörer
- Der Prediger ist nur dem Wort Gottes gegenüber zum Gehorsam verpflichtet, nicht dem Hörer, der Kirche oder dem Staat: - Predige das Wort, steh dazu, sei es zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. (2.Tim 4,2)
- Jede Predigt hat nur ein Bewertungskriterium: Treibt sie Christus? Jede Predigt hat, gleich welcher Text des Alten wie Neuen Testamentes gepredigt wird, die Aufgabe und die Pflicht den dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, zu verkündigen und zu verherrlichen.

5. Anforderungen an die Person des Predigers

1. Der Prediger muß wiedergeborener Christ sein, d.h. den Geist Gottes haben!
2. Der Prediger muß über einen Text aus den Schriften der Bibel predigen!
3. Der Prediger muß alle Schriften der Bibel für das alleinige vollkommene und unfehlbare Wort Gottes halten!
4. Der Prediger muß eine hervorragende Kenntnis der Heiligen Schrift haben!
5. Der Prediger muß so nahe wie möglich am Urtext bleiben!
6. Der Prediger muß im Gebetskampf um seine Predigt stehen und von der Gemeinde umbetet werden!
7. Der Prediger muß mit seinem Leben in Einklang mit dem Wort Gottes leben (Buße)!
8. Der Prediger muß berufen sein (vocatio interna und vocatia externa)!
9. Der Prediger muß bereit sein um des Wortes Gottes Willen angegriffen zu werden!
10. Der Prediger muß allein Diener des Wortes Gottes sein!

1. Der Prediger soll Theologie studiert haben!
2. Der Prediger soll viele bibeltreue Predigten lesen und hören!
3. Der Prediger soll sich stark an Predigten der gläubigen Brüder orientieren!
4. Der Prediger soll der Predigt einen klaren Aufbau geben!
5. Der Prediger soll die Gemeinde kennen!
6. Der Prediger soll das Bekenntnis der Gemeinde wahren!
7. Der Prediger soll die Predigt möglichst lange schwanger tragen!
8. Der Prediger soll keine Frau sein!
9. Der Prediger soll über eine gute Rhetorik verfügen!
10. Der Prediger soll sich frei von den Danksagungen für seinen Predigtdienst machen!

(Beachte die Unterscheidung von muß und soll)

6. Gottesdienstablauf in St. Martini

Die Gemeindeordnung von St. Martini legt fest, daß die Leitung des Gottesdienstes alleine beim Pastor der Gemeinde liegt. Diese Leitung hat nach der liturgisch festgelegten Ablauf zu geschehen. In unserer Gemeindeordnung wird nicht erklärt, wer diesen Ablauf festlegt. Der festgelegte Ablauf hat folgende Gestalt (die aus reformierter Sicht zentralen Elemente sind fettgedruckt):

Glockengeläut
Vorspiel Orgel
Gemeindelied
Trinitarische Eröffnung
Begrüßung
Schriftlesung
Gemeinde: Gott ist gegenwärtig
Gebet
Gemeinde: Allein Gott in der Höh
Schriftlesung.
Gemeinde: Halleluja
Gemeinde: Glaubensbekenntnis
Gemeindelied
Predigt
Instrumentalstück
Abkündigungen
Fürbitten u. Vaterunser
Gemeindelied
Segen
Orgelnachspiel
________________________________________________________________
Orgelvorspiel
Eingangsvotum
Gemeinde: Christi, du Lamm Gottes
Biblische Lesung
Zeit der Stille zur persönlichen Buße
Bußgebet
Allgemeine Beichte
Einsetzungsworte 1.Kor 11,23-25 und Austeilung Abendmahl
Gebetsgemeinschaft und Vater Unser
Segen
Orgelnachspiel


7. Die in St. Martini nach §1 der Gemeindeordnung gültigen Bekenntnisse

Der Grund des Bekenntnisse in St. Martini ist allein die Heilige Schrift, Alten wie Neuen Testamentes, das einzig wahre und unfehlbare Gotteswort. Das Wort Gottes, die Bibel, wird im Licht folgender Bekenntnisse verstanden:
4 Hauptbekenntnisse: Apostolicum, Athanasium, Nicaenum, Heidel.Katechismus
2 Nebenbekenntnisse: Dordrechter Artikel, Barmer Theologische Erklärung

Alle haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sind an diese Bekenntnisse gebunden!


8. Die unterschiedlichen Funktionen des Bekenntnisses

- 1. Die dogmatische Funktion (Zusammenfassung der Lehre)
- 2. Die katechetische Funktion (Unterricht im Glauben)
- 3. Die ekklesiologische Funktion (Abgrenzung gegen Irrlehre)
- 4. Die pastorale Funktion (Verpflichtung der Geistlichen)
- 5. Die ökumenische Funktion (Band der Christenheit)
- 6. Die liturgische Funktion (Gottesdienstliches Element)
- 7. Die doxologische Funktion (Ehre Gottes)
- 8. Die soziologische Funktion (Gemeinschaftsbildung)


9. Abschließende Wortbetrachtung zu Mt 10,32-33

Jesus Christus spricht: Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater; Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. (Mt 10,32-33)

- Vom Bekenntnis zu Jesus –

1. Die immense Bedeutung des Bekenntnisses
Wer Jesus bekennt, den kennt der Herr; wer Jesus nicht bekennt, den kennt der Herr nicht!
2. Die immense Verheißung des Bekenntnisses
Wenn ich Jesus vor den Menschen bekenne, so bekennt er sich zu mir!
3. Die immense Ehre des Bekenntnisses
Ich darf Zeuge, Botschafter, Wortträger des Herrn sein!

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